
Mi | 07. März 2012 um 20:00h CH-Première
Fr | 08. März 2012 um 20:00h
Sa | 09. März 2012 um 20:00h
So | 10. März 2012 um 20:00h
Karten gibt's hier.
Mi | 21. März 2012 um 20:00h DE-Première
Do | 22. März 2012 um 20:00h
Fr | 23. März 2012 um 20:00h
Sa | 24. März 2012 um 20:00h
Karten gibt's hier.
FABRIKTHEATER ROTE FABRIK ZÜRICH
Do | 19.04.2012 um 20:00h ZH- Première
Sa | 21.04.2012 um 20:00h
Mi | 25.04.2012 um 20:00h
Do | 26.04.2012 um 20:00h
Fr | 27.04.2012 um 20:00h
Karten unter: Tel: +41 44 485 58 28 oder fabriktheater (at) rotefabrik.ch
Mi | 28.11.2012 um 20:00h
Do | 29.11.2012 um 20:00h
Karten unter: info (at) theater-konstellationen.net
Do | 13.12.2012 um 20:30h
Sa | 14.12.2012 um 20:30h
Mi | 15.12.2012 um 20:30h
Karten unter: www.schlachthaus.ch
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Spiel Eleni Haupt Anja Tobler Lou Bihler Markus Mathis
Musik Simon Bauer Fabian Kalker
Regie Jonas Knecht
Text und Dramaturgie Anita Augustin
Bühne & Kostüme Matthias Koch
Video Immanuel Heidrich
Choreografie Sergiu Matis
Mitarbeit Ausstattung Simone Müller
Produktionsleitung Gabi Bernetta
CH-Premiere: 7.3.2012 am Theater Chur
DE-Premiere: 21.3.2012 an den Sophiensaelen Berlin
Eine Produktion von theater konstellationen in Co-Produktion mit dem Theater Chur, dem Schlachthaus Theater Bern, den Sophiensaelen Berlin und dem Fabriktheater Rote Fabrik Zürich
Mit Unterstützung von: Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Kanton St. Gallen Kulturförderung Swisslos, Stadt Zürich Kultur, Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Artephila-Stiftung, Migros Kulturprozent, Ernst Göhner Stiftung (Stand: 2.12.2011)
Langeweile kann tödlich sein. Vor allem, wenn man in einer Welt lebt, in der es laut Gesetz verboten ist, sich zu langweilen. Die Strafen sind hart: Wer auf einer Party beim Gähnen erwischt wird, wandert ins Gefängnis. Wer anderen den Spaß verdirbt, wandert in die Todeszelle. Die Figuren der „Fledermaus“ leben in einer solchen Welt. Es ist die Welt der Operette, beherrscht von den Zwängen des Amüsements. Deswegen wird in der „Fledermaus“ auch ständig gelacht, gesungen und gefeiert. Eine Party jagt die nächste, ein Clubbing das andere, alle stehen kurz vorm Spaß-Burnout und fragen sich nur das eine: Werden wir uns je wieder stressfrei amüsieren? Die Antwort: Ja! Aber nur mit Einladung – einer Einladung zur ultimativen Party, zum Highlight der Saison, ausgerichtet von Prinz Orlofsky. Seine Partys sind legendär: die geilsten Drogen, die coolste Mucke, der schärfste Sex. Und immer hat der Gastgeber noch eine kleine Überraschung parat, mit der keiner gerechnet hat, nicht in seinen schlimmsten Albträumen ...
Sie ist konzentriertes Drama, befreit von allem theatralischen Speck. Die Operette erreicht man durch Sprünge, Schnitte, jähe Skizzen, durch Erosion: übrig bleiben die festen Reste, die rhythmischen Gräten, die Kreuzungen der Kräfte, die Struktur, die erschütternden menschlichen Überreste. Der Mensch ist in der Operette ergreifend durch seine Abwesenheit: Man wird die menschlichen Gebeine daran erkennen, dass sie Augen trugen.
Die Operette ist eine ätzende Form, ein Säure-Theater. Verschwunden ist der menschliche Theaterteig: bleibt der Strich, der Schwung, der Stich, der Schnitt der Geste. Durch Würfe, Sätze, Sprünge von einer Ebene zur anderen, durch Punktierungen, durch Ausschnitte, befreit sich das Theater hier vom Sanften, Klagenden, vom Ungefähr der Herzen, von mitgeteilter Rührung. Da gibt es nichts mehr zu bejammern: Seht sie an, die tanzenden Skelette.
Lebende Marionetten treten auf, mit ausgehöhlter Mitte. Es sprechen, es singen, es stürzen da nicht Individuen, sondern verunglückte Subjekte. Animalisch aufgeputzt streifen sie umher in Wellen, Ritornellen und Romanzen.
Das Publikum kommt, sich die Zusammenstöße anzusehen, und man fordert ihm nichts ab: Man gibt ihm alles.
Valère Novarina
Operette aller Operetten, Meisterwerk des Wiener Walzerkönigs, Klassiker – 137 Jahre nach ihrer Uraufführung ist DIE FLEDERMAUS mit zahlreichen Adelsprädikaten versehen und die meistgespielte Operette der Welt. Als Silvesterspektakel immer gerne genommen, hat sie es auch in staatstragende Opernhäuser geschafft und wird sogar von renommierten Schauspielregisseuren mit Verve gegen den Strich gebürstet.
Man ist sich einig, dass DIE FLEDERMAUS nicht nur „spritzig und witzig“ ist, sondern außerdem „böse und hintergründig.“ Letztere Attributierung soll ein vermeintlich intelligenteres Publikum anlocken, das es gerne sieht, wenn im Theater Fassaden bröckeln. Auch darin herrscht Konsens: In der Fledermaus entlarvt sich eine Sozietät aus vermeintlich rechtschaffenen Männern, treuen Ehefrauen und diensteifrigem Personal als zutiefst korrupt und bis in die letzte Faser verludert.
Scheinmoral, Doppelleben, Maskerade – in Begriffen der Tarnung, hinter der sich eine entweder schreckliche oder jämmerliche Wahrheit verbirgt, wird DIE FLEDERMAUS auf den sozialkritischen Punkt gebracht.
Erbärmliche, widerwärtige Spaßgesellschaft!
Aber wer sagt denn, dass Spaß keine Arbeit ist? Wer sagt denn, dass es keine schweißtreibende und hochproduktive Angelegenheit ist, sich zu amüsieren? Und das nicht in dem augenzwinkernden Sinn, mit dem wir schon alle einmal von einer lahmen Party erzählt haben, auf der wir verdammt hart um unser bisschen Vergnügen kämpfen mussten, sondern im denkbar härtesten Sinn des Wortes „arbeiten“: ackern, rackern, schuften, malochen.
Die angeblich verluderte Amüsiergesellschaft in DIE FLEDERMAUS ist nichts weniger als das: Sie ist rechtschaffen bis ins Mark und erwirtschaftet sich in drei schweißtreibenden Akten einen Mehrwert namens Spaß.
Spaß kann man nicht essen und nicht an die Wand nageln, wir haben es mit einem virtuellen Wert zu tun, der dennoch konsumierbar ist: als Erlebnis. Um dieses Erlebnis haben zu können, muss man es erst herstellen, das wissen die Figuren in der Fledermaus sehr genau, und sie wissen auch sehr genau, wie man das macht.
Als Handwerker des Vergnügens bilden sie eine Art Innung, in die nur aufgenommen wird, wer sein Handwerk versteht und die Regeln der soliden Spaßarbeit kennt. Daher auch die klare Ansage des Gastgebers Prinz Orlofsky auf der großen Party, dass er jeden rausschmeißt, der sich nicht amüsiert – sprich: der nicht arbeitet.
Heuchelei, Betrug, falsche Gefühle, handfeste Lügen – die Hinterfotzigkeiten in der Fledermaus sind keineswegs strategische Manöver, mit denen sich die Figuren wechselseitig hintergehen, sondern die Werkzeuge ihrer Arbeit. Und jeder weiß, dass der andere sie auch benützt. Jeder weiß, dass der andere auch gerade am Arbeiten ist, und das ist gut so, schließlich wollen alles dasselbe: Spaß.
Keine Frage: Wir haben es in der Fledermaus mit einer Ökonomie der Verausgabung zu tun, deswegen ist das Wirtschaften auch so anstrengend. Die Exzesse der Verstellung, die Hypertrophien der Hinterlist, die ständig überhitzte erotische Begehrlichkeit – man fragt sich schon im ersten Akt, wie lange die Figuren das eigentlich noch durchhalten.
Die Antwort: so lange es geht, am besten bis zum Ende des Stücks, im Idealfall für immer.
Wenn die Figuren am Ende des letzten Aktes in hysterischer Vorfreude auf die nächste Party die nächste Party besingen, dann machen sie kein Hehl daraus, was der eigentliche Motor ihrer unermüdlichen Spaßarbeit ist: Angst. Angst davor, es könnte keine nächste Party geben. Angst davor, es könnte die nächste Party geben, aber man könnte zu erschöpft sein, um noch hinzugehen und sich zu amüsieren.
Wenn es denn einen bitteren, harten Kern in der Operette DIE FLEDERMAUS gibt, dann ist es dieses tödliches Szenario des Aufhörens, um das alles kreist wie die Katze um den vergifteten Brei: Schluss mit lustig. Stillstand.
Die Angst vor einem Zustand, der als letale Erschöpfung jede Form von Produktivität beendet, ist die treibende Kraft in der FLEDERMAUS – Todesangst, wenn man so will.
Das Team von theater konstellationen wird DIE FLEDERMAUS als große Spaßparty auf die Bühne bringen: geile Mucke, coole Leute, super Drogen.
Vier Schauspieler und zwei DJs sind die Protagonisten.
Das Publikum wir den Schauspielern bei ihren Metamorphosen zusehen: von einer Figur zu nächsten, von einer Lüge zur anderen, immer lustig, immer gut drauf, und immer getrieben von der Angst, es könnte alles aufhören.
Die DJs begleiten die Spieler bei ihren Metamorphosen und Ängsten, bei ihrem Singen und Sprechen. Sie zwingen sie dazu, das Libretto an bestimmten Stellen zu sprechen statt zu singen, oder in Gesang auszubrechen, wo gar keiner vorgesehen ist. – Und, sie steuern die Party, machen Tempo, wenn die Gäste faul werden, lassen sie erschlaffen, wenn es ihnen gefällt, kurz: Sie machen sich wichtig. Wie jeder gute DJ arbeiten auch unsere „Männer am Pult“ mit Vinyl und scratchten die eine oder andere Perle aus der Aufführungsgeschichte der „Fledermaus“ (Herbert von Karajan!).
Und allen sitzt die Angst im Nacken, sie könnten sich nicht amüsieren und der Spaß könnte plötzlich aufhören. Stillstand. Schluss mit lustig. Die DJs werden zu Totengräbern und die geile Mucke wird zum Requiem.
theater konstellationen nimmt DIE FLEDERMAUS so ernst, wie es die Operette aller Operetten verdient: Sie erzählt vom Spaß als elementarer, lebenserhaltender Maßnahme – von der Party als existentieller Veranstaltung.